Autor Thema: Kann ein Kabel-Hausanschlußverstärker veralten ? Potentialausgleich zwingend ?  (Gelesen 135 mal)

halsband

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Zugegeben: Ich bin Laie - würde aber trotzdem gerne folgenden Sachverhalt verstehen:

Einfamilienhaus; Kabelfernsehen (Kabel Deutschland/Vodafon - darüber nur TV/Radio - kein Internet) seit 20 Jahren ohne Probleme;
Dann seit einigen Monaten spontan + zunehmend Signalprobleme nur bei den Sendern der ZDF-Gruppe und Servus (Klötzchenbildung, Tonstörungen) via ext. Receiver und nur etwas weniger stark bei den eingebauten TV-Receivern von 3 Philips-TV (neuste = 8008) - und zwar auf allen 6 Antennen-Steckdosen im Haus über 2 Srtockwerke.
Mein Technisat-Kabel-Receiver ISIO-C zeigt überall einen Pegel von 70-75 und Kanalqualität von 100% mit Ausnahme der oben erwähnten Sendergruppe (hier nur ca. 40%).
Nachdem ich den HAV (Kathrein VOS 20) am HÜP überbrückt habe (also herausgenommen habe) habe ich überhaupt keine Probleme mehr ... offenbar brauche ich gar keinen HAV ?!

Aber jetzt wird es komisch: Der alte HAV hat also einen Knacks dachte ich - das erklärt vielleicht alles. Also einen aktuellen aktuellen Axis BVS 3-01 probiert -> geht erst mal auch nicht “kein Signal”. Wenn ich am Entzerrer-Poti drehe kommen irgendwann die Sender - mangels Messgerät bin ich aktuell noch am probieren wo die beste Einstellung liegt.
 
Woran könnte das liegen, dass nun auf einmal ein HAV mit Enzerrer notwendig wird ? Aufgefallen ist mir noch, dass schon der alte Kathrein am HÜP im Keller ohne Potentialausgleich in die Wand gedübelt wurde - allerdings mit 10 cm langen Schrauben von dem Metallkörper des Kathrein ins Mauerwerk (ist das vielleicht die “Erdung” die vielleicht nicht mehr funktioniert bzw. ausreicht ?) Wie wichtig ist der häufig erwähnte  Potentialausgleich überhaupt - und wenn ja - wie realisiert man diesen denn üblicherweise wenn nur 220V-Eurostecker benutzt werden ?. Muß ich da jetzt selber einen Erdanker verlegen o.ä. Offenbar geht es auch ohne ?!

Danke - Dirk

Uwe S

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Hallo Dirk,

ein HAV enthält Bauteile die auch altern, wie z.B. Elkos, die nach 20 Jahren im 24 Std.-Betrieb "verbraucht" sind.
Das kann zu verschiedenen Störungen führen.

Mein Technisat-Kabel-Receiver ISIO-C zeigt überall einen Pegel von 70-75 und Kanalqualität von 100% mit Ausnahme der oben erwähnten Sendergruppe (hier nur ca. 40%).

Die Prozentanzeigen der Consumergeräte sind nicht genormt und sagen fast nichts aus.
Ohne ein geeichtes Messgerät und systematische Messungen vom HÜP bis zu den Anschlussdosen ist hier keine Aussage über die Ursache des Problems zu machen.

Grundsätzlich sollte der Pegel für digitale TV-Signale am HÜP min. 53 dBµV
max. ca. 73 dBµV betragen.
Ist dies nicht der Fall, dann liegt das Problem beim Kabelanbieter, z.B. Kabel wurde bei Tiefbauarbeiten beschädigt.

Zitat
Nachdem ich den HAV (Kathrein VOS 20) am HÜP überbrückt habe (also herausgenommen habe) habe ich überhaupt keine Probleme mehr ... offenbar brauche ich gar keinen HAV ?!

Auch ein zu hoher Pegel führt zu Empfangsproblemen!
Der Axis BVS 3-01 hat einen max. Ausgangspegel von 98dB.
Der Pegel an den Kabel-Anschlussdosen sollte 80dB nicht übersteigen.
Eine Übersteuerung des HAV oder der Endgeräte führt zu sogenannten Kreuzmodulationen, wodurch es zu Empfangsproblemen auf Teilen des Bandes kommt.
Die entstehenden Störfrequenzen führen zu hohen Bit-Error-Raten (BER), was sich als Bild und Tonstörung auswirkt.
Möglicherweise hat der Kabelberteiber die Einspeisepegel im Zuge der Erweiterungen geändert..... !?

Entzerrung:
Diese ist i.d.R. nur dann und dort nötig, wenn lange Kabelstrecken vorliegen oder minderwertige Koaxleitungen verlegt wurden.
Durch die Entzerrung werden die frequenzabhängige Dämpfung der Leitung ausgeglichen.

Potentialausgleich:
Grundsätzlich sollte jedes Haus einen Potentialerder besitzen!
Dies verlangen i.d.R. auch die EVUs.
Innerhalb des Hauses sollten PE der Hauptverteilung, Wasser- Gasleitungen, Antennenanlage usw. an der Potentialausgleichsschiene angeschlossen sein.
Ist die Empfangsanlage nicht am Potentialausgleich geerdet, dann führt dies i.d.R. nicht zu Empfangsstörungen.
Häufig kommt es aber zu sogenannten Mantelströmen auf den Koaxleitungen, besonders bei veralteter 2-adriger Elektroinstallation mit "klassischer Nullung" der Steckdosen.
D.h. dass parasitäre Ströme von verschiedenen Verbauchern im Haushalt über den Schirm der Koaxleitungen fließen.
Zur Vermeidung von Mantelströmen zwischen Anschlussdose und TV-Gerät kann man einen Mantelstromfilter (ca. 10€) zwischen Antennenanschlussdose und TV-Gerät schalten.

Bevor Du aber ohne Messgerät mit anderen HAV usw. herumexperimentierst, was ja auch Geld und unnötig Zeit kostet, würde ich Dir raten einen Fernsetechnikerkollegen bei Dir vor Ort zu beauftragen die Pegel und Signalqualität am Übergabepunkt des Kabelbetreibers und der Anschlussdosen zu messen.
Dafür sind wir ja ausgebildet und wissen wie man Empfangsanlagen berechnet, installiert und auch repariert.

Gruß Uwe






halsband

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Danke Uwe, das war eine nette und verständliche Antwort. Natürlich gibt es auch bei uns Erdungsschienen im Keller für alles Mögliche.. aber nicht da wo der HAV hängt. Ich werde diesen erst einmal weglassen. Wenn alles ohne Störungen funktioniert wars das. Ansonsten nehme ich den Axing und regel ihn ein. Bzw. Suche ich einen Kollegen von Dir ;-) Aber tatsächlich gibts die spezialisiert garnicht mehr so häufig. Dirk